Zu„Leimbachtal gerät unter Druck“ vom 30. März

Bei der Lektüre dieses Artikels, der uns Leverkusener ja nur indirekt betrifft, kommt eine Erinnerung hoch an einen denkwürdigen Beschluss des Naturschutzbeirats vom November 2018: In seltener Einmütigkeit und mit schlagkräftigen Argumenten sprach sich der Beirat gegen den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan „Steinbüchel – südlich Hahnenblecher“ aus! Die Begründung der Ablehnung kurz zusammengefasst: Eingriff ins Landschaftsschutzgebiet Leimbachtal und Lötzelbachtal, Bauen im Außenbereich, nach § 35 BauGB nur zulässig, wenn öffentliche Belange nicht entgegenstehen, Zerstörung einer historischen Struktur und wieder eines Gebietes, das seinen bergischen Charakter noch bewahrt hat, Verlust eines weiteren wichtigen Entstehungsortes für Frischluft und vor allem Verlust eines wertvollen Stücks Natur: Im Tal liegt das Naturschutzgebiet Gronenborner Teiche!

Und dann die kalte Dusche: Kaum vier Wochen später stimmte unser Stadtrat in fast ebensolcher Einigkeit – Gottseidank gab es wenigstens vier grüne Gegenstimmen! – dafür, grünes Licht für den Bebauungsplan zu geben. Dass der von der Varia Bauplanung gepriesene „unverbaubare Blick ins Grüne“ teuer bezahlt werden muss (siehe oben) – und dabei sprechen wir nicht von Geld! –, schien niemanden zu kümmern.

Dass die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen nicht nur in unserem Stadtgebiet seit langem abnimmt und bereits vor Jahren die vertretbare Minimalgrenze unterschritten hat, pfeifen die wenigen noch vorhandenen Spatzen von den Dächern. Dies ist, wie hinlänglich bekannt und nachgewiesen ist, in immer stärkerem Maße der immer intensiveren Nutzung der freien Landschaft durch eine um sich greifende Flächennutzung geschuldet.

Seit Jahren geben die nach § 12 LSG (Landschaftsgesetz) anerkannten Natur- und Umweltschutzverbände – das sind in NRW und bei uns in Leverkusen BUND, Nabu und LNU – zu allen Bauvorhaben der Stadt ihre Stellungnahmen ab. Sie enthalten – mit seltenen Ausnahmen – den Satz: „Daher müssen wir hier erneut mitteilen, dass wir der Planung nicht zustimmen können.“ Die Hoffnung, auf offene Ohren zu stoßen, erfüllt sich so gut wie nie…

Die angekündigte „Volksinitiative Artenvielfalt“ der drei Verbände, die jetzt im Frühjahr starten sollte, deren Auftakt nun aber durch das Coronavirus aufgeschoben – nicht aufgehoben! – wurde, weist ebenfalls deutlich darauf hin, wo die Ursachen des dramatischen Rückgangs vieler Insekten-, Vogel- und Pflanzenarten zu suchen sind. Hier ein Ausschnitt aus der Presseerklärung vom Januar: „Die Artenschutzpolitik der Landesregierung ist eine einzige Fehlstelle“, sagte der BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht. „Die Lage für die biologische Vielfalt ist zunehmend dramatisch. Wir brauchen einen klaren Kurswechsel in vielen Politikfeldern.“

Eine zentrale Bedeutung komme dabei dem Stopp des Flächenverbrauchs zu. Tag für Tag gehen in NRW etwa zehn Hektar Fläche für neue Wohn- und Gewerbegebiete, Straßenbau und die Rohstoffgewinnung verloren. Wir brauchen klare landesplanerische Vorgaben, den Flächenverbrauch perspektivisch auf netto null zu senken.“ Solange wir diese nicht haben, liegt es in der Verantwortung der Politikerinnen und Politiker unserer Stadt, mit Einsicht und Augenmaß Entwicklungen zu verhindern, die uns nur schaden können.

Ob wertvolle Areale wie in Hahnenblecher oder kleine Grünflächen wie am Forum unter Bebauung verschwinden sollen – wir werden auch weiterhin Einspruch erheben, wenn es um den Schutz der Artenvielfalt und die Lebensqualität in unserer Stadt geht.

Den Ruf der „Verhinderer“ tragen wir genauso wie die Verantwortung für die Natur.

INGRID MAYER, LEVERKUSEN, SPRECHERIN DES BUND