Leserbrief zu "Verwaltung zieht positive Bilanz bei 'Leverkusen blüht auf'" v. 08.05.20 und "Kritik an neuen Schotterflächen" v. 09./10.05.20 (M. Frimmersdorf)

 

Das ist meist so, dass Verantwortliche ihr Projekt erfolgreich finden. Aus anderer Perspektive kann sich der Eindruck schnell relativieren. Ich persönlich finde die Bezeichnung "Leverkusen blüht auf" für die bisherigen Ergebnisse sehr ambitioniert; das Ganze im Rahmen des "Leitbilds Grün" anzusiedeln, das es nur aus Gründen der Verhinderung einer echten Baumschutzsatzung gibt, ist schon bezeichnend für eine Stadt, in der ich trotz der desaströsen Lage der Insekten, Vögel usw. immer noch keine ökologische Neuausrichtung erkennen kann. Nach wie vor werden Grünflächen und -streifen entgegen der Empfehlung unseres Umweltamts viel zu früh, zu oft und zu kurz gemäht, dabei die natürliche Lebensgrundlage (Wildblumen und -kräuter) der Wildbienen und anderen Insekten immer wieder gedanken- und rücksichtslos zerstört. Ein paar vereinzelt für kurze Zeit künstlich angelegte sogenannte Wildblumenwiesen, deren Entwicklung aufgrund Suboptimalität meist lieber nicht (öffentlich) weiterverfolgt wird, helfen da nicht weiter. Ein "Aufblühen" in Leverkusen wird es erst geben, wenn der Mähwahn(sinn) ein Ende hat, und damit sind sowohl die Stadt selbst als auch private Grundstücksbesitzer sowie der Landesbetrieb Straßen NRW gemeint!

Dasselbe gilt für diese unsäglichen Schotter- und Steingestaltungen an Häusern und öffentlichen Plätzen, über deren negative Auswirkungen man längst Bescheid weiß. Es ist unglaublich, wenn solche Stein- und Betonlandschaften nicht eigeninitiativ von allen am Projekt Beteiligten vermieden werden sowie es keine Bestrebungen gibt, auch private Schotter"gärten" trotz NRW-Verbotes in Leverkusen zu verbieten bzw. Verstöße zu ahnden und solche Flächen wieder entsiegeln zu lassen. Selbstverständlich können Verantwortliche wie hier z. B. Bahnstadt-Geschäftsführerin Vera Rottes hingeworfenen Schotter umschweifend als "wichtiges gestalterisches Element" definieren - vor dem Hintergrund der gewaltigen Probleme hinsichtlich Natur- und Artenschwund sowie Klimawandel geradezu lachhaft!

Martina Frimmersdorf