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Leserbrief - Artikel "Verwaltung zieht positive Bilanz bei 'Leverkusen blüht auf'" vom 08.05.20 (M. Schultze)


Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie berichten darüber, dass die Stadt Leverkusen unter der Steuerung des NaturGut Ophoven seit 12 Monaten erfolgreich Projekte zu Artenschutz und Stadtnatur durchführt. Von einem Erfolg zu sprechen, weil ein paar Blühwiesen und Insektennisthilfen angelegt bzw. aufgestellt wurden, halte ich für stark übertrieben. Diese Aktionen erreichen zwar eine große Aufmerksamkeit, sind aber nicht nachhaltig geeignet, die Probleme zu lösen.

Angelegte Blumenwiesen sind immer künstlich und nur ein Paradies auf Zeit, sie bedürfen der Pflege. Wildbienen-Nisthilfen sind nur dort sinnvoll, wo Wildbienen in geringer Entfernung auch Nahrung finden. Wildbienen sind aber oft auf bestimmte einheimische und standortgerechte Wildpflanzen in der Nähe angewiesen. Beides muss vorhanden sein und aufeinander abgestimmt sein.

Eine wirklich sinnvolle und nachhaltige Maßnahme wäre die weniger intensive Pflege ohnehin vorhandener Grünflächen, wo immer dies möglich ist. Die Grasflächen des Rheinparks in Hitdorf beispielsweise werden regelmäßig komplett kurz gemäht, dementsprechend gering ist die Artenvielfalt der Pflanzen dort. Viele dieser Flächen werden nicht als Liegewiesen genutzt, etwa der mehrere Meter breite Streifen entlang der Wiesenstraße. Wenn man dort nur 1 - 2 Mal im Jahr mähen würde, könnten sich wieder viel mehr Blütenpflanzen durchsetzen, so wie auf dem kleinen Stückchen Wildwiese, das ich vor ein paar Jahren mit dem Kindergarten "Die Rheinpiraten" an der Kreuzung zur Fährstraße angelegt habe. Diese kleine Fläche ist inzwischen ein Hotspot der Insektenwelt geworden. Es ist ganz einfach: Gutes tun, indem man Kosten für die Pflege spart.

Eine weitere Maßnahme für Artenschutz und Stadtnatur wäre die Durchsetzung der Landesbauordnung , indem man die Versteinerung, Verschotterung und Pflasterung von Privatgrundstücken verhindert bzw. rückgängig macht. Die vielen Quadratmeter, die in den letzten Jahren durch die Versiegelung von Privatgrundstücken verloren gingen, können nicht durch gut gemeinte Blühstreifen kompensiert werden. Die Begründung der Stadtverwaltung, dass man für die Kontrolle nicht genügend Mitarbeiter habe, kann ich nicht gelten lassen.

Ich hoffe, dass langfristig wieder ein Umdenken stattfindet, was den Umgang mit privaten und öffentlichen Flächen angeht, damit Leverkusen wieder aufblüht statt zu versteinern.

Mit freundlichen Grüßen,

Martina Schultze