Ein Leserbrief zu einem Thema, das in der Coronakrise in seiner Dimension untergegangen ist.

 "Bayer gründet Firma für vertikale Landwirtschaft" vom 14. August 2020

Eine "Allianz von Agrarverbänden" (darunter der Deutsche Bauernverband) sorgt sich also wegen eines "Verlusts bewährter Pflanzenschutzmittel" und "warnt vor schlechteren Anbaubedingungen in der deutschen Landwirtschaft" und "Verlagerung landwirtschaftlicher Produktion in andere Weltregionen". Dazu muss man sagen, dass es sich hierbei um Vertreter der industriellen Landwirtschaft und der Massentierhaltung handelt, es dominieren die Interessen der wirtschaftlich starken Großbetriebe, die auch (noch) die meisten staatlichen Subventionen erhalten. Ökologisch arbeitende Landwirte (die aus Überzeugung immer mehr werden) und Umweltschützer sprechen eher von "Pflanzengiften"; diese bedrohen die Artenvielfalt (Insektenschwund!), die Bodenfruchtbarkeit und auch die menschliche Gesundheit - es droht gar ein sogenannter "Ökozid". Dies ist in Wahrheit alles längst wissenschaftlich erwiesen und sind keine "gefühlten Risiken", doch die ewig Gestrigen und Profiteure des (noch) bestehenden Systems - eine mächtige Lobby und ein weit verzweigtes Netzwerk - werden bis zum Schluss um ihre Pfründe kämpfen. Der Präsident des Deutschen Bauernverbands selbst ist Kraft Amtes in zahlreichen Gremien und in öffentlichen wie privatwirtschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen vertreten; der enge Schulterschluss mit dem Landwirtschaftsministerium (seit 2005 CSU) ist bekannt.

Doch der Ruf nach einer notwendigen Agrarwende wird immer lauter, weil die Mißstände immer offener zutage treten, die auch zu Überproduktion und Dumpingpreisen geführt haben - mit Hilfe dieser Agrarverbände.

Die Entscheidungen über unsere Lebensmittel sollten nicht weiter von wenigen Konzernen und den mit ihnen verwobenen Verbänden gefällt werden, denn diese wirtschaften nicht nachhaltig, sondern rücksichtslos und ausbeuterisch und sind insofern nicht zukunftsfähig - dies muss die Politik endlich einsehen und den Vormarsch der industriellen Landwirtschaft stoppen anstatt ihn sogar noch mit Subventionen zu fördern!

Martina Frimmersdorf