Ein wieder mal nicht gebrachter Leserbrief

Stadt der der Zukunft oder Goldgräber City ? ....... zum Thema City C.....

11. Juli 2020

Die einst als“ modern“ angedachte Industriestadt Leverkusen, autogerecht konzipiert mit betonstrotzenden Einkaufszentren und einer ziemlich traurigen Abrisschronik „altmodischer“ Gebäude ist sichtbar in die Jahre gekommen, wird in zehn Jahren tatsächlich 100 Jahre alt!

Wir haben also noch Zeit genug, den Zeitgeist ernst zu nehmen und diese Stadt nach den Erfordernissen nachhaltiger ökologischer , ökonomischer und soziokultureller Stadtarchitektur umzubauen: Zumindest könnte man zunächst z.B. im Bereich der City C ein Stück Utopia zu planen und realisieren, wie es Christoph Hampel mit der gemeinnützigen GmbH „Utopiastadt“, etabliert in einem stillgelegten Bahnhof in Wuppertal, versucht :

Zu Stadtquartieren der Zukunft gehören: Bezahlbarer Wohnraum nach ökologischen Kriterien, Durchgrünung, Gemeinschaftsräume, Werkstätten, Dienstleistungen, soziale Anlaufstellen, Kinder- und Jugendeinrichtungen, barrierefreie Zugänge… Einzelhandel ist nicht mehr vorrangig, kulturelle und künstlerische Workshops, aber auch Gemeinschaftssportanlagen und Urban Gardening machen zweifelhafte Wettbüros und Spielhallen überflüssig. Alles Utopie? Aber machbar!

Auch Köln hat auf dem Klöckner- Humboldt-Deutz Gelände vor, aus sechs Hektar Industriebrache ein urbanes“ Reallabor „zu realisieren, ein ehrgeiziges Projekt! Architekt Paul Böhm spricht von einer „Mustersiedlung für die Stadt des 21.Jahrhunderts“.

Unser Mobilitäts- und Klimakonzept und das eher unverbindliche „Leitbild Grün“ bleiben Makulatur, wenn nicht ein grundlegender Kurswechsel stattfindet, um unser Leben in dieser Stadt gesünder und wirtlicher zu gestalten. Dazu gehört aber auch sorgsame Erinnerungskultur: z.B. die Erhaltung eines“ Topos“ oder der Schutz der alten Gärten am Kleist-Platz, denen jetzt unter der VIVA WEST teilweise die Zerstörung droht.

Die Goldgräbermentalität der letzten Jahrzehnte hat unter dem Diktat der Wohnungsnot, aber vor allem aus Willfährigkeit gegenüber stets präsenter Bauinvestoren zum Raubbau an Flächen, z.B. durch einen ungebremsten Bau von Einfamilienhaussiedlungen geführt, dem nicht nur letzte Grünflächen wie die Bullenwiese oder Meckhofen und andere Flächen im Außenbereich geopfert wurden. Dies alles hat zur Vermehrung ungesunder innerstädtischer Hitzeinseln, z.B. eben auch in der Neuen Bahnstadt geführt.

All dies ist nicht mehr zukunftsfähig, Flächen müssen entsiegelt, Landschafts– und Artenschutz respektiert werden, auch ein umfassendes Grünflächenmanagement unter der Verantwortung des zu stärkenden Umweltamtes ist bitter nötig. Die Kommunalwahl steht an, Impulse in Richtung nachhaltige Stadtpolitik sind gefragt. Wer bringt sie ein und noch wichtiger: Wer setzt sie durch? Konkrete Vorbilder gibt es in unserer Nachbarschaft !

 

Brigitte von Bonin