Hier finden Sie Meinungen und Leserbriefe (veröffentlichte und nicht veröffentlichte) von Mitgliedern des Bürgerforums und willkommenen Gäste.

 

  • LESERBRIEF zu "Kritik an neuen Schotterflächen"   LevAnzeiger v. 9./10. Mai 2020
  • Leserbrief zum gleichen Thema (M. Urbschat) "Kritik an neuen Schotterflächen"
  • Leserbrief - Artikel "Verwaltung zieht positive Bilanz bei 'Leverkusen blüht auf'" vom 08.05.20 (M. Schultze)
  • Leserbrief zu "Verwaltung zieht positive Bilanz bei 'Leverkusen blüht auf'" v. 08.05.20 und "Kritik an neuen Schotterflächen" v. 09./10.05.20 (M. Frimmersdorf)
  • Leserbrief Roland Hölzer "Braucht die Wirtschaft immer mehr Wachstum?
  • Leserbrief zu„Leimbachtal gerät unter Druck“ vom 30. März (Ingrid Mayer BUND)

LESERBRIEF zu "Kritik an neuen Schotterflächen" LevAnzeiger v. 9./10. Mai 2020

 

Es sind nicht nur die armseligen Schotterflächen am bald in Betrieb gehenden Campus Leverkusen, die einen ärgerlich machen. Es sind die in ganzer Scheußlichkeit allmählich sichtbar werdenden Hochschulgebäude selbst, die den Betrachter abstoßen.

Was da an Architektur erkennbar wird, erinnert in ihrer einfallslosen Zweckförmigkeit eher an ein Hochregallager eines Online-Versenders in irgendeinem bundesdeutschen Gewerbegebiet. Die umgebungsfremde Rundum-Blechfassade vermittelt den Eindruck von Wegwerf-Architektur!

Dass auf diesem Gelände einmal junge kreative Studenten und Lehrkräfte gemeinsam lernen und auch den Tag gerne verbringen sollen, einfach schwer vorstellbar.

Und wieder einmal ist den Verantwortlichen in Leverkusen nicht gelungen, überörtlichen Bau- und Liegenschaftsbetrieben rechtzeitig klar zu machen, dass Leverkusen und seine Bevölkerung schon eine qualitätvolle und ansehnliche Stadtarchitektur auf dem Neuen Bahnstadt Areal erwartet.

Am Hauptstandort der Technischen Hochschule in Köln wäre so ein Beispiel optisch minderwertiger Stadterneuerung sicherlich nicht durchsetzbar gewesen.

Diesbezüglich hat es sich im Land halt herumgesprochen, dass Leverkusen auch beim Autobahnumbau mit einer verbreiterten Stelze vorerst kleinlaut zufrieden ist, auch wenn die lange Tunnellösung unter dem Rhein die beste Lösung für alle wäre.

Raimond Schmahl

Leserbrief klar mit Schotter!, es ist doch eine TH!

Abgesehen von der Ironie in meiner Überschrift und mein Kopfschütteln bei der Vorbeifahrt. Diese Untat muss konsequent geahndet werden:

1. Rückbauforderung von der Politik und Verwaltung, denn im Klimagutachten ist die Bahnstadt besonders von der Erwärmung betroffen.

2. Verantwortungsbewusster Umgang mit Steuergeldern.

Die Kosten für die Schotterflächen sind hoch und längerfristig sind sie nicht pflegeleicht, da sich Staub und Flugsamen ansammeln und die Steinlücken dann schwer zu reinigen sind. Auch sollten die Abwassergebühren hier wie bei den voll versiegelten Parkflächen gelten!

Eine gute Notlösung auch im Sinne der Natur:

Die wahrscheinlich darunter liegende wurzelfeste Folie perforieren und trockenresistente Blühpflanzen wie Mauerpfeffer pflanzen, die mit der Zeit den Schotter unter Pflanzenpolstern verschwinden lassen. Dann nutzen auch wärmeliebende Tiere diese neuen LEBENSRÄUME.

Manfred Urbschat

Leserbrief - Artikel "Verwaltung zieht positive Bilanz bei 'Leverkusen blüht auf'" vom 08.05.20 (M. Schultze)


Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie berichten darüber, dass die Stadt Leverkusen unter der Steuerung des NaturGut Ophoven seit 12 Monaten erfolgreich Projekte zu Artenschutz und Stadtnatur durchführt. Von einem Erfolg zu sprechen, weil ein paar Blühwiesen und Insektennisthilfen angelegt bzw. aufgestellt wurden, halte ich für stark übertrieben. Diese Aktionen erreichen zwar eine große Aufmerksamkeit, sind aber nicht nachhaltig geeignet, die Probleme zu lösen.

Angelegte Blumenwiesen sind immer künstlich und nur ein Paradies auf Zeit, sie bedürfen der Pflege. Wildbienen-Nisthilfen sind nur dort sinnvoll, wo Wildbienen in geringer Entfernung auch Nahrung finden. Wildbienen sind aber oft auf bestimmte einheimische und standortgerechte Wildpflanzen in der Nähe angewiesen. Beides muss vorhanden sein und aufeinander abgestimmt sein.

Eine wirklich sinnvolle und nachhaltige Maßnahme wäre die weniger intensive Pflege ohnehin vorhandener Grünflächen, wo immer dies möglich ist. Die Grasflächen des Rheinparks in Hitdorf beispielsweise werden regelmäßig komplett kurz gemäht, dementsprechend gering ist die Artenvielfalt der Pflanzen dort. Viele dieser Flächen werden nicht als Liegewiesen genutzt, etwa der mehrere Meter breite Streifen entlang der Wiesenstraße. Wenn man dort nur 1 - 2 Mal im Jahr mähen würde, könnten sich wieder viel mehr Blütenpflanzen durchsetzen, so wie auf dem kleinen Stückchen Wildwiese, das ich vor ein paar Jahren mit dem Kindergarten "Die Rheinpiraten" an der Kreuzung zur Fährstraße angelegt habe. Diese kleine Fläche ist inzwischen ein Hotspot der Insektenwelt geworden. Es ist ganz einfach: Gutes tun, indem man Kosten für die Pflege spart.

Eine weitere Maßnahme für Artenschutz und Stadtnatur wäre die Durchsetzung der Landesbauordnung , indem man die Versteinerung, Verschotterung und Pflasterung von Privatgrundstücken verhindert bzw. rückgängig macht. Die vielen Quadratmeter, die in den letzten Jahren durch die Versiegelung von Privatgrundstücken verloren gingen, können nicht durch gut gemeinte Blühstreifen kompensiert werden. Die Begründung der Stadtverwaltung, dass man für die Kontrolle nicht genügend Mitarbeiter habe, kann ich nicht gelten lassen.

Ich hoffe, dass langfristig wieder ein Umdenken stattfindet, was den Umgang mit privaten und öffentlichen Flächen angeht, damit Leverkusen wieder aufblüht statt zu versteinern.

Mit freundlichen Grüßen,

Martina Schultze

Leserbrief zu "Verwaltung zieht positive Bilanz bei 'Leverkusen blüht auf'" v. 08.05.20 und "Kritik an neuen Schotterflächen" v. 09./10.05.20 (M. Frimmersdorf)

 

Das ist meist so, dass Verantwortliche ihr Projekt erfolgreich finden. Aus anderer Perspektive kann sich der Eindruck schnell relativieren. Ich persönlich finde die Bezeichnung "Leverkusen blüht auf" für die bisherigen Ergebnisse sehr ambitioniert; das Ganze im Rahmen des "Leitbilds Grün" anzusiedeln, das es nur aus Gründen der Verhinderung einer echten Baumschutzsatzung gibt, ist schon bezeichnend für eine Stadt, in der ich trotz der desaströsen Lage der Insekten, Vögel usw. immer noch keine ökologische Neuausrichtung erkennen kann. Nach wie vor werden Grünflächen und -streifen entgegen der Empfehlung unseres Umweltamts viel zu früh, zu oft und zu kurz gemäht, dabei die natürliche Lebensgrundlage (Wildblumen und -kräuter) der Wildbienen und anderen Insekten immer wieder gedanken- und rücksichtslos zerstört. Ein paar vereinzelt für kurze Zeit künstlich angelegte sogenannte Wildblumenwiesen, deren Entwicklung aufgrund Suboptimalität meist lieber nicht (öffentlich) weiterverfolgt wird, helfen da nicht weiter. Ein "Aufblühen" in Leverkusen wird es erst geben, wenn der Mähwahn(sinn) ein Ende hat, und damit sind sowohl die Stadt selbst als auch private Grundstücksbesitzer sowie der Landesbetrieb Straßen NRW gemeint!

Dasselbe gilt für diese unsäglichen Schotter- und Steingestaltungen an Häusern und öffentlichen Plätzen, über deren negative Auswirkungen man längst Bescheid weiß. Es ist unglaublich, wenn solche Stein- und Betonlandschaften nicht eigeninitiativ von allen am Projekt Beteiligten vermieden werden sowie es keine Bestrebungen gibt, auch private Schotter"gärten" trotz NRW-Verbotes in Leverkusen zu verbieten bzw. Verstöße zu ahnden und solche Flächen wieder entsiegeln zu lassen. Selbstverständlich können Verantwortliche wie hier z. B. Bahnstadt-Geschäftsführerin Vera Rottes hingeworfenen Schotter umschweifend als "wichtiges gestalterisches Element" definieren - vor dem Hintergrund der gewaltigen Probleme hinsichtlich Natur- und Artenschwund sowie Klimawandel geradezu lachhaft!

Martina Frimmersdorf

Leserbrief zu "Braucht die Wirtschaft immer mehr Wachstum?"

Der Begriff "Wachstum" hätte eigentlich seit Erfindung der Dampfmaschine regelmäßig zum Unwort des Jahres gewählt werden müssen, wenn er im wirtschafts- bzw. gesellschaftspolitischen Zusammenhang gebraucht wird.

Als spätestens mit dem Verschwinden der DDR der Kommunismus an sich für gescheitert erklärt wurde, kam besonders viel Applaus von Leuten, die immer schon wussten, dass nur der freie, grenzenlose Markt unserer Gesellschaft das Heil bringt.

Das "W"-Wort spielt dabei eine entscheidende Rolle:

Städte müssen wachsen, die Wirtschaft muss wachsen, Handel und Verkehr müssen wachsen. Auf der Wachstumsseite sind die Erfolgreichen.

Die anderen bleiben zurück oder verschwinden und mit ihnen Vielfalt, Lebensqualität, Gesundheit, Klima.

Der immer bedrohlicher werdende pseudoliberale Kettenbriefkapitalismus mit sogenanntem freien Handel a` la TTIP oder Ceta maximiert die Gewinne der Anleger und überlässt die schädlichen Folgen der Allgemeinheit. So sehen Sieger aus.

Diese Art von Globalisierung bedeutet Weltkrieg gegen die Natur.

Wir holen Rohstoffe, Nahrungsmittel und ausgebildete Fachkräfte aus Afrika, Asien oder Südamerika, von den Folgen für die dortige Bevölkerung wollen wir aber lieber nichts wissen. Oder wir lassen dort unter unsäglichen Bedingungen billig produzieren und ruinieren sehenden Auges halbe Kontinente und bei uns eben auch verantwortungsvoll produzierende Betriebe.

Früher, als wir noch Platz hatten, wurde das bei uns übrigens genauso gemacht.

Die größte Giftmülldeponie Europas in der Leverkusener Dhünnaue wäre nicht entstanden, hätten nicht die dortigen Chemieexperten die irreversible Verseuchung der Umgebung durch die kostengünstige Entsorgung ihrer Abfälle wissentlich in Kauf genommen.

Nachdem man dann die Folgekosten der Stadt Leverkusen für alle Zeiten verkaufen konnte, und seitdem an der erneuten Beseitigung der eigenen Abfälle nochmals verdient, ist das Prinzip Habgier perfekt umgesetzt.

Dass es Politiker gibt, die so etwas erst möglich machen, lässt einen verzweifeln.

Und die Entfesselungskünstler um Herrn Pinkwart warten schon. Hatte es die Anleger angesichts drohender Pandemieverluste scharenweise panisch von Bord des sinkenden Börsenschiffchens getrieben, dürfen sie nun auf Autokaufprämien, großzügige Wohnbauunterstützung oder Erleichterung bei Kiesgrubenausweisungen in Naturschutzgebieten hoffen.

Unbegrenztes Wachstum gibt es in der Natur nur als Tumor.

Daran sollten auch BWL und VWL - Absolventen, ja sogar FDP- Wähler denken.

Roland Hölzer

Zu„Leimbachtal gerät unter Druck“ vom 30. März

Bei der Lektüre dieses Artikels, der uns Leverkusener ja nur indirekt betrifft, kommt eine Erinnerung hoch an einen denkwürdigen Beschluss des Naturschutzbeirats vom November 2018: In seltener Einmütigkeit und mit schlagkräftigen Argumenten sprach sich der Beirat gegen den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan „Steinbüchel – südlich Hahnenblecher“ aus! Die Begründung der Ablehnung kurz zusammengefasst: Eingriff ins Landschaftsschutzgebiet Leimbachtal und Lötzelbachtal, Bauen im Außenbereich, nach § 35 BauGB nur zulässig, wenn öffentliche Belange nicht entgegenstehen, Zerstörung einer historischen Struktur und wieder eines Gebietes, das seinen bergischen Charakter noch bewahrt hat, Verlust eines weiteren wichtigen Entstehungsortes für Frischluft und vor allem Verlust eines wertvollen Stücks Natur: Im Tal liegt das Naturschutzgebiet Gronenborner Teiche!

Und dann die kalte Dusche: Kaum vier Wochen später stimmte unser Stadtrat in fast ebensolcher Einigkeit – Gottseidank gab es wenigstens vier grüne Gegenstimmen! – dafür, grünes Licht für den Bebauungsplan zu geben. Dass der von der Varia Bauplanung gepriesene „unverbaubare Blick ins Grüne“ teuer bezahlt werden muss (siehe oben) – und dabei sprechen wir nicht von Geld! –, schien niemanden zu kümmern.

Dass die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen nicht nur in unserem Stadtgebiet seit langem abnimmt und bereits vor Jahren die vertretbare Minimalgrenze unterschritten hat, pfeifen die wenigen noch vorhandenen Spatzen von den Dächern. Dies ist, wie hinlänglich bekannt und nachgewiesen ist, in immer stärkerem Maße der immer intensiveren Nutzung der freien Landschaft durch eine um sich greifende Flächennutzung geschuldet.

Seit Jahren geben die nach § 12 LSG (Landschaftsgesetz) anerkannten Natur- und Umweltschutzverbände – das sind in NRW und bei uns in Leverkusen BUND, Nabu und LNU – zu allen Bauvorhaben der Stadt ihre Stellungnahmen ab. Sie enthalten – mit seltenen Ausnahmen – den Satz: „Daher müssen wir hier erneut mitteilen, dass wir der Planung nicht zustimmen können.“ Die Hoffnung, auf offene Ohren zu stoßen, erfüllt sich so gut wie nie…

Die angekündigte „Volksinitiative Artenvielfalt“ der drei Verbände, die jetzt im Frühjahr starten sollte, deren Auftakt nun aber durch das Coronavirus aufgeschoben – nicht aufgehoben! – wurde, weist ebenfalls deutlich darauf hin, wo die Ursachen des dramatischen Rückgangs vieler Insekten-, Vogel- und Pflanzenarten zu suchen sind. Hier ein Ausschnitt aus der Presseerklärung vom Januar: „Die Artenschutzpolitik der Landesregierung ist eine einzige Fehlstelle“, sagte der BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht. „Die Lage für die biologische Vielfalt ist zunehmend dramatisch. Wir brauchen einen klaren Kurswechsel in vielen Politikfeldern.“

Eine zentrale Bedeutung komme dabei dem Stopp des Flächenverbrauchs zu. Tag für Tag gehen in NRW etwa zehn Hektar Fläche für neue Wohn- und Gewerbegebiete, Straßenbau und die Rohstoffgewinnung verloren. Wir brauchen klare landesplanerische Vorgaben, den Flächenverbrauch perspektivisch auf netto null zu senken.“ Solange wir diese nicht haben, liegt es in der Verantwortung der Politikerinnen und Politiker unserer Stadt, mit Einsicht und Augenmaß Entwicklungen zu verhindern, die uns nur schaden können.

Ob wertvolle Areale wie in Hahnenblecher oder kleine Grünflächen wie am Forum unter Bebauung verschwinden sollen – wir werden auch weiterhin Einspruch erheben, wenn es um den Schutz der Artenvielfalt und die Lebensqualität in unserer Stadt geht.

Den Ruf der „Verhinderer“ tragen wir genauso wie die Verantwortung für die Natur.

INGRID MAYER, LEVERKUSEN, SPRECHERIN DES BUND