Beschwerde:

 

Der Landesbetrieb Straßen NRW schadet mit seiner "Grünpflege" dem Umwelt-, Natur- und Artenschutz

 

Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

Sehr geehrte Frau Heinen-Esser,

ich wende mich im Namen des "Bürgerforum Grünes Leverkusen" (https://www.buergerforum-gruenes-leverkusen.de) explizit an Sie, da eine Beschwerde über "Straßen NRW" 2018 beim Landesverkehrsministerium im Kern ungenügend beantwortet wurde, "im Sande verlief" und man dort dem Natur- und Artenschutz trotz mancher "Lippenbekenntnisse" wohl nur eine sehr geringe Bedeutung beimißt. Eine weitere Beschwerde dort betrachten wir als zwecklos.

Meine Korrespondenz mit zunächst Herrn Mertens (Betriebsleiter Burscheid) und dann Herrn Reißing (Referat III A2) lasse ich der Vollständigkeit halber zu Ihrer Kenntnis unter dieser aktuellen E-Mail dabei, ebenso wie im Anhang meine damalige Beschwerde sowie die Antwort darauf aus dem Verkehrsministerium.

 

Nun zu der aktuellen Beschwerde:

 

Am 20.05.2020 ("Tag der Biene"!) konnte man im Kölner Stadt-Anzeiger unter der Überschrift "Mehr Naturschutz bei Straßenbehörde" über die Straßenmeisterei Burscheid der Landesbehörde "Straßen NRW" lesen, dass Betriebsleiter Sascha Mertens zeigen möchte, dass auch ihm "die Natur am Herzen liegt" (Zeitungsartikel siehe Anhang "Mehr Naturschutz..." - sehr interessant!).

Da man seit Jahren und bis heute ganz andere Beobachtungen machen kann, schrieb ich dazu einen Leserbrief, dem Sie zusammengefaßt einen Großteil der Problematik entnehmen können:

Es ist schön, am "Tag der Biene" zu erfahren, dass Straßen NRW nach Marl nun auch im Bereich der Straßenmeisterei Burscheid, die auch für Leverkusen zuständig ist, auf Artenvielfalt und Klimaschutz setzt. Betriebsleiter Sascha Mertens möchte "den Bürgern zeigen, dass auch uns die Natur am Herzen liegt". Leider ist es aber nicht ausreichend, nur in den Betriebshöfen etwas anzulegen wie hier z. B. einen Teich und einen Blühstreifen, während im gesamten Einsatzgebiet immer noch ohne Rücksicht auf Verluste ökologische Desaster angerichtet werden. Gemeint sind - wir lassen mal die rigorosen jährlichen Baumfällungen und Strauchstutzungen außer Acht - diese radikalen Mähmaßnahmen von Grünstreifen und -flächen selbst bei wetterbedingt geringfügigem Wachstum, bei denen dann alles klein gemetzelt zurück bleibt - (wieder) dem völligen Austrocknen überlassen. Derartiges konnte man gerade wieder auch in Leverkusen beobachten. Und das, obwohl schon ein Jahr zuvor, am 14. Mai 2019 im Stadtanzeiger zu lesen war, dass der Landtag der Landesregierung NRW (und damit Straßen NRW) zur Prüfung aufgegeben hat, "ob durch gezielte Extensivierung" (weniger ist mehr!) "... von Straßenrändern, Grünflächen ... die Lebensräume für Insekten positiv gestaltet werden können". Für wirklich nachhaltigen Arten- und Klimaschutz stadt-, landes- und bundesweit gibt es also noch viel zu tun. In Burscheid ist allerdings - wie es oft passiert - der Insekten- und Bienenschutz falsch verstanden worden: es sind nicht die Honigbienen gemeint (das sind vom Menschen gezüchtete "Nutztiere"), sondern die Wildbienen, die vom Aussterben bedroht sind; aufgrund der Nahrungskonkurrenz bei überschaubarem Blütenangebot sollte also der Bienenstock, der neben dem Insektenhotel aufgestellt wurde, schleunigst entfernt werden.

Hinzu kommt nun ein Vorgang, der unfassbar und bei näherer Betrachtung so skandalös ist, dass ein sofortiges Eingreifen "von oben" mit einer Anweisung zum Sofortstopp notwendig ist:

"Straßen NRW", Meisterei Burscheid, muss es mit sofortiger Wirkung unterlassen, in Leverkusen-Schlebusch auf einem Hochbeet der Herbert-Wehner-Straße (L 288) eine ursprünglich eigens und sinnvollerweise angelegte Bodendecker-Bepflanzung der Niedrigen Purpurbeere (Symphoricarpos x chenaultii Hancock) ständig bis zum Erdboden völlig "abzufräsen"!

Was da mehrfach jährlich (gerade wieder!) veranstaltet wurde und wird, offenbart in eklatanter Weise einen solch unreflektierten Umgang mit dem Grün, dass man dies mit dem Begriff "Pflege" nicht in Einklang bringen kann; es zeugt von Unprofessionalität, Unvermögen, Unkenntnis und/oder Gleichgültigkeit - skandalös insbesondere vor dem Hintergrund, dass nicht nur die ursprüngliche Bepflanzung (s. o., die noch da ist!) von Steuergeldern bezahlt wurde, sondern der ganze Landesbetrieb Straßen NRW vom Steuerzahler getragen wird! Da verbieten sich Handlungen, die der Allgemeinheit und unserer Umwelt Schaden zufügen, normalerweise von selbst (und mit "Verkehrssicherung" hat das alles nichts zu tun)!

Im Anhang finden Sie eine Kurzbeschreibung (mit Quellenangabe) der Niedrigen Purpurbeere mit Fotos, die u. a. zeigen, wie man üblicherweise und richtig mit diesen hübschen Bodendecker-Sträuchern umgeht, wie man sie schneidet etc. Hier ist auch zu lesen, dass die Purpurbeere als Bienenweide (Blüte) und später als Vogelnahrung (Beere) nützlich ist.

Dass Herr Mertens im Zeitungsartikel von Insektenschutz spricht und davon, dass "Hauptnahrungsmittel der Insekten ... Sträucher" seien, potenziert die schädliche Wirkung der hiermit angeprangerten und für uns inakzeptablen "Fräsarbeiten" in Leverkusen-Schlebusch!

Ebenfalls im Anhang finden Sie ein Dokument mit von mir kommentierten Fotos ("06-2020 Fotos ..."), in dem Sie sehr übersichtlich den Ist-Zustand der beanstandeten Flächen der Herbert-Wehner-Straße betrachten und den Grund dieser Beschwerde nachvollziehen können.

Zusammenfassung, warum diese skandalösen, zerstörerischen und völlig redundanten "Auf-Null-Schneidemaßnahmen" SOFORT aufhören müssen:

 

  • 1. Die Niedrige Purpurbeere wurde auf der gesamten Länge des Hochbeets ursprünglich MIT SINN eigens angelegt; die laut Beschreibung "unverwüstlichen" Pflanzen sind noch da und könnten wieder durchwachsen (ein paar Wildblumen dazwischen wie z. B. Margerite, Schafgarbe, Johanniskraut, Flockenblume stören überhaupt nicht, im Gegenteil!). Bei richtiger Behandlung bildet die Niedrige Purpurbeere ohnehin einen dichten Bewuchs.
  • 2. Diese Bepflanzung wurde mit Steuergeld, also unser aller Geld, angelegt. Fortgesetzte Verschwendung (hier durch die Meisterei Burscheid) ist zu verhindern.
  • 3. Ohne Bewuchs trocknen die Hochbeet-Flächen maximal aus und schaden somit auch den darin befindlichen Jung-Eichen - ein ökologisches Desaster! Mehrere der Eichen sind in den beiden letzten Jahren schon abgestorben.
  • 4. Die klimatischen Verhältnisse werden immer schwieriger, daher brauchen wir die intakte Bepflanzung ebendort - sie muss durchwachsen dürfen, auch zum Schutz des Bodens und der Bäume.
  • 5. Es werden bei Einstellung der ständigen Pflanzenvernichtung Flächen "renaturiert", die - wie beschrieben - auch dem Insekten-, Vogel-, Artenschutz dienen.
  • 6. Der Anblick intakten Bewuchses - ohne sofort erkennbaren Müll - ist auch für die Bürger ein erfreulicher Anblick.
  • 7. Der Landesbetrieb muss Worten zu "Artenvielfalt und Klimaschutz" (siehe Artikel) auch Taten folgen lassen!
  • 8. Die Verkehrssicherheit wird nicht beeinträchtigt; außerdem hätte man sonst die Purpurbeere dort gar nicht erst gepflanzt.

Wir bitten Sie als Landesumweltministerin nunmehr, rigoros und korrigierend einzugreifen und die Landesbehörde Straßen NRW, hier die Meisterei Burscheid, von ihrem schädlichen Tun abzuhalten - explizit hier in Leverkusen-Schlebusch, aber natürlich auch an jedem anderen Ort unseres Bundeslandes.

Als engagierte BürgerInnen möchten wir nicht (mehr) erleben, dass berechtigte Anliegen/Beschwerden mit vielen schönen Worten "abgewimmelt" werden - wir brauchen für unser (Rest-)Grün endlich und unverzüglich ein umweltverträgliches, rücksichtsvolles und nachhaltiges Handeln auch der Landesbehörden.

Grünstreifen und -flächen - Steigerung: eigens angelegte Bepflanzungen wie oben genannt! - sind keine Verfügungsmasse für Arbeiten, die der bloßen Daseinsberechtigung ausführender Behörden, Mitarbeiter, Subunternehmen zu dienen haben.

Anpassungen an die sich ändernden Wetter- und Klimabedingungen sowie die dringliche Notwendigkeit des Insekten- und Artenschutzes sind sofort vorzunehmen!

Wir bitten Sie um Eingangsbestätigung und Antwort und bedanken uns im Voraus für Ihr Eingreifen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Dipl.-Ing. Martina Frimmersdorf 

Bürgerforum Grünes Leverkusen